Thingstätten – Die Bedeutung der Vergangenheit

Zwischen 1933 und 1936 wurden die sogenannten »Thingstätten« als propagandistische Freilichtbühnen und Versammlungsplätze des Nationalsozialismus erbaut. Von diesem Versuch eines propagandistischen Architekturtheaters ist heute wenig bekannt, obwohl viele architektonische Zeugen noch auffindbar sind und zum Teil heute noch bespielt werden, wie die Waldbühne in Berlin oder die Bühne der Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg.

400 waren geplant, etwa 50 wurden errichtet. Viele dieser bis heute kaum bekannten Orte sind aktuell noch in Deutschland, Polen und Russland auffindbar.

Die Thingstätten stehen für eine Zeit, die heute schwer zu begreifen ist, auch weil auf ihr lange ein Deckmantel des Schweigens lag: Die frühen Jahre der Hitler-Begeisterung. Aus heutiger Sicht ist die Beteiligung auch mittlerer und kleinerer Orte in ganz Deutschland an diesem freiwilligen Bauprojekt ein Zeichen für die verbreitete Zustimmung zum Regime.

In der Nähe von Aachen gibt es Reste von Thingstätten im Brückenkopfpark in Jülich und in der Anlage der ehemaligen Ordensburg Vogelsang.

In Form einer interdisziplinären Recherche und einer daraus resultierenden  Publikation ermöglichen die Werke von 23 internationalen Künstlern und Künstlerinnen sowie Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen eine pluralistische Auseinandersetzung mit der außergewöhnlichen Geschichte der »Thingstätten« sowie ihrer Bedeutung für die Gegenwart.

Heute, fünf Jahre nach Erscheinen der zweiten Auflage des preisgekrönten Buches ist es Zeit, eine neue Bestandsaufnahme zu machen. Dazu haben wir die Initiatorin und Herausgeberin Katharina Bosse eingeladen uns von ihren Erfahrungen zu berichten.